BEGABTENFÖRDERUNG
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Begabtenförderung - Thesen zur Förderung besonders begabter Kinder und Jugendlicher

  1. LERNEN ist Kernstück der Begabungsförderung: Wenn es „unzweifelhaft ist…, dass alles, was Menschen wissen und können, gelernt werden muss,“ (Weinert), dann bewirken genetische Ausstattung und frühe Lernerfahrung „Erleichterungen oder Erschwerungen der Lernprozesse“. (Weinert)
  2. Untersucht man den gegenwärtigen Forschungsstand, so wird deutlich, dass es zu wenig Wissen gibt über die Bedingungen, die zu einer herausragenden Leistungsentwicklung führen. Es gilt, optimale Bedingungen für die Leistungsentwicklung zu schaffen. Dazu muss geforscht werden, welche Bedingungen das im Einzelnen sind.
  3. Daher wäre es falsch, die Förderung nur auf eine kleine Gruppe Hochbegabter zu begrenzen. Sie sollte vielmehr offen und flexibel sein, um der Variabilität individueller Entwicklungsmöglichkeiten gerecht zu werden. (Weinert)
  4.  „Lernen, verstanden als ein aktives, konstruktives, zielgerichtetes, kumulatives, sowohl systematisches wie situiertes, zugleich selbständiges und kooperatives als auch angeleitetes Geschehen ist inzwischen ein theoretisch gehaltvolles und empirisch bewährtes Konzept geworden.“ (Weinert)
  5. Besonders Begabte können auf geistig/intellektuellem Gebiet gegenüber „normal“ Begabten durch eine schnellere Auffassungsgabe, ein  schnelleres Lerntempo, eine bessere Lernfähigkeit, eine höhere Gedächtnisleistung, ein sehr gutes räumlich-abstraktes Vorstellungsvermögen, ein höheres Niveau der Durchdringung, eine bessere Vernetzung des Wissens oder durch originelle Problemlösungsstrategien auffallen. (Mönks; Weinert) Sie verfügen über einen Entwicklungsvorsprung auf einem oder mehreren Gebieten (geistig / intellektuell, musisch / künstlerisch, sozial, motorisch). (Mönks)
  6. Ein Förderprogramm für besonders Begabte muss anspruchsvolle Bildungsziele (Lern- und Sozialkompetenz, Förderung von Interessen, Wertorientierung) vor allem zum Erwerb inhaltlichen Wissens und Könnens innerhalb einer sehr guten Allgemeinbildung bzw. domänspezifisch setzen (keine formale Denkschulung!) und diese in herausfordernden Lernprozessen (subjektive Herausforderung; Integration sowohl in homogene wie auch heterogene Gruppen) ansteuern. (Weinert)
  7. Förderung besonders Begabter sollte als ein offener, flexibler Prozess  von Erkennen, Beraten und Begleiten verstanden werden, der Momente der Bestärkung ebenso einschließt wie die der Verunsicherung / Herausforderung.
  8. Begabungsförderung zielt letztendlich auf eine INDIVIDUALISIERUNG des Lernprozesses. „Entwicklung ist ein derartig komplexer Interaktionsprozess von Anlage- und Umweltfaktoren, dass jedes sich entwickelnde Kind Unterstützung und Anerkennung braucht, damit es sich entsprechend seinen Fähigkeiten und Neigungen entwickeln kann.“ (Mönks)

Mönks, F.J. (1996). Hochbegabung. Ein Mehrfaktorenmodell. In: Grundschule 5/1996.

Weinert, F.E. (2000). Lernen als Brücke zwischen hoher Begabung und exzellenter Leistung. Vortrag gehalten anlässlich der zweiten internationalen Salzburger Konfernz zu Begabungsfragen und Begabungsförderung. Salzburg, 13. Oktober 2000.